Bild: Rosmarie Knutti



«Wie soll ich hier runterkommen?»


Nachwuchsfahrer Marco Kohler über seine erste Hundschopf-Erfahrung



Es war ein Bubentraum, der für Marco Kohler in Erfüllung ging. Für den 22-Jährigen aus Meiringen im Berner Oberland war es quasi ein Heimrennen: Das erste Mal mit den Profis auf der Lauberhorn-Strecke. Zwar noch nicht im ganz grossen Rennzirkus; aber immerhin bereits bei Trainingsläufen mit dabei.

 

«Anspannung und Nervosität überkamen mich im Starthäuschen. Nur schon, weil ich noch nie eine so lange Rennstrecke gefahren bin. Das Lauberhorn ist ja die längste Abfahrt der Welt», erinnert sich Kohler an seinen ersten Trainingslauf. Und er ergänzt: «Ich dachte an all die Schlüsselstellen, die ich im Renntempo meistern muss». Eine ganz besondere Herausforderung ist der Hundschopf. Bereits bei der Besichtigung des legendären Sprungs musste der junge Rennfahrer schlucken.

 

Sein erster Eindruck nach der Hundschopf-Analyse: «Ich fragte mich, warum ich überhaupt springen will, und wusste nicht, wie ich hier runterkommen soll. Man springt aus einem kleinen Fenster ins Nichts. Rechts sind nur Netze, links Fels.» Dennoch, Berührungsängste hatte Kohler nicht. Er sei den Hundschopf mit viel Tempo angegangen, erzählt er nüchtern. «Ich wollte das Limit ausreizen – egal, wie klein das Absprungfenster ist. Es musste einfach klappen.»



Geschwindigkeit ist nur eine Zahl


Das Bauchgefühl für die richtige Geschwindigkeit ist ihm am Hundschopf wichtiger als eine präzise Berechnung. Mit der Tempo-Einschätzung klappte es gut. Er nahm die vorangehende Linkskurve mit genügend Schwung, sodass ihm der Sprung glückte. Speziell sei die Anfahrt gewesen. «Als ich jedoch in die Luft abhob, fühlte es sich an wie jeder andere Sprung», relativiert Kohler. Als ob der Hundschopf ein Kinderspiel wäre.

 

Vielleichte liegt es aber auch in Kohlers Natur – Geschwindigkeit scheint sein Ding zu sein: «Ich wollte auf den Ski immer nur schnell sein. Mein Vater meinte früher oft, dass das Schlechteste, was ich könne, das Bremsen sei.» Für den erfolgreichen Jungfernflug über den Hundschopf war seine Unerschrockenheit bestimmt ein Bonus.

 

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass er am Lauberhornrennen abhebt. Noch ist er für den Weltcup nicht zugelassen, daran arbeitet Kohler jedoch Tag für Tag. Bis irgendwann sein zweiter Bubentraum in Erfüllung geht und er mit seinen Idolen, den routinierten Profis, über den Hundschopf fliegt.